Gabrielle Chardigny ist eine junge Künstlerin, die bereits 2025 die Jury des Kunstfestivals „Ortung 14“ tief beeindruckt hat. Damals legte sie mit einer preisgekrönten Installation über die globalen Abgründe der Goldgewinnung die „brutale Realität hinter scheinbar wertvollen Ressourcen“ offen.
Heute, als Preisträgerin des Kunstpreises der Stadt Schwabach, kehrt sie zurück. Seit 2006 bekommt der Preisträger des Kunstfestivals „Ortung“, das die Stadt Schwabach im zweijährigen Turnus ausrichtet, im darauffolgenden Jahr eine Einzelausstellung in der „Städtischen Galerie Schwabach“.
Chardigny, 1996 in Paris geboren und heute in den Berliner Südkreuzateliers arbeitend, ist keine Künstlerin der leisen Töne oder der dekorativen Ästhetik. Ihr Werk ist, wie es die Jury treffend formulierte, ein „notwendiges Warnsignal“. Unter dem Titel „Diesel Runaway“ entwirft sie für uns eine Welt, in der die Grenzen zwischen industrieller Logik und biologischem Leben nicht nur verschwimmen, sondern in einer Weise kollidieren, die uns zur Stellungnahme zwingt.
Ein Kernaspekt von Chardignys Arbeit ist die Darstellung von Infrastrukturen, die versuchen, eine Umwelt zu stabilisieren, dabei aber Dynamiken erzeugen, die sie nicht vollständig kontrollieren können. Der Titel dieser Ausstellung, Diesel Runaway, stammt von einem seltenen mechanischen Phänomen. Ein Dieselmotor kann manchmal beginnen, sich von einer unkontrollierten Kraftstoffquelle zu ernähren. Sobald dies geschieht, stoppt das Ausschalten der Zündung den Motor nicht mehr. Er beschleunigt weiter, bis er sich selbst zerstört.
Das erinnert an die Systeme, die wir bauen, um die belebte Welt zu kontrollieren: um Ressourcen zu gewinnen, Pflanzen zu transportieren oder Ökosysteme zu gestalten. Sie sind darauf ausgelegt, die Natur zu ordnen und zu beherrschen, doch oft bringen sie Konsequenzen hervor, die unsere Absichten übertreffen.
Was dabei interessiert, ist der Moment, in dem diese Systeme die Grenzen dieser Kontrolle offenbaren.
Die beiden Installationen in dieser Ausstellung erkunden diese Idee auf unterschiedliche Weise.
Las Salinas ist von traditionellen Salzgärten inspiriert. Salz steigt langsam durch tonbeschichteten Stoff und kristallisiert an dessen Oberfläche. Doch dabei bleibt es nicht. Mit der Zeit breitet es sich auf der Metallstruktur aus, verändert und korrodiert sie. Der Prozess überschreitet die Grenzen der Skulptur selbst.
Babooshka ist von einer Reihe von Terrarien umgeben, die sich wie russische Matrjoschka-Puppen entfalten. Jedes enthält ein fragiles Ökosystem, das sein eigenes Mikroklima aufrechterhält. Zunächst scheint der Kunststoff die Pflanzen zu bewahren und zu schützen. Doch dieser Schutz ist nur von kurzer Dauer. Luftfeuchtigkeit und Pflanzenwachstum werden das Material langsam schwächen, bis sich die Terrarien schließlich öffnen. Die lebenden Systeme, die sie eigentlich im Zaum halten sollten, werden letztendlich die Strukturen zerstören, die zu ihrer Kontrolle gebaut wurden.
Anstatt diese Prozesse bloß darzustellen, versucht Gabrielle Chardigny, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass sie tatsächlich stattfinden. Sie interessiert sich für den Moment, in dem die Systeme, die wir bauen, um die lebende Welt zu kontrollieren, all das offenbaren, was sich unserer Kontrolle entzieht.
Chardignys Werk lässt sich zwischen Öko-Kritik, postindustrieller Ästhetik und politischer Kunst verorten. Inspiriert von Agnès Denes oder Joseph Beuys, aktualisiert sie deren Ansätze mit einer unmittelbaren, fast alarmistischen Dringlichkeit – angesichts von Klimakrise, Ressourcenknappheit und globaler Ungerechtigkeit.
Gabrielle Chardigny
Geboren 1996 in Paris
2021 Abschluss an der École Supérieure d’Art et Design de Saint-Étienne (ESADSE).
Lebt und arbeitet in Berlin, residiert in den Südkreuz Ateliers
Installationen
2025 Good2U, Art and Music Festival, Görlitz | 2023+2024 Waking Life, Art and Music Festival, Crato/Portugal | 2024 Recess, Fitzroy, Berlin
Ausstellungen
2024 Habitat, Stadtwerkstatt, Berlin 2024 Reservoir, Wasserspeicher, Berlin 2023 Das Lebendige, Projekthaus Torstraße 111, Berlin | 2021 Espacements, Saint-Etienne/France | 2021 Matières Précieuses, cité du design, Saint-Etienne/France
Art Residence
2023 Montemero Art Residency, Artist Residency organized by Iksvy Art, Almeria/Spain
Ausstellungen
Jahresprogramm 2026
3D-Rundgang der Mitgliederausstellung 2022
Video zur Mitgliederausstellung 2025 (YouTube)
Stadtkirche Schwabach
Öffnungszeiten
täglich von 9 - 18 Uhr
Stadtmuseum Schwabach
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr