Christian Vittinghoff: "Die Welt wie sie mir gefällt"

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Ausstellung:
15.08. - 20.09.2026
Ort:
Städtische Galerie Schwabach
Christian Vittinghoff
Malmö
Malmö
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In meinen Bildern entstehen die Bilder irgendwann von selbst. Ich versuche, ihnen die Freiheit zu geben, sich selbst zu finden und sich selbst entstehen zu lassen. Mit Sujet, Motiv und Bildidee fange ich an, mit Format, Material und Farbwahl – manchmal auch geboren aus einer Serie, wie zum Beispiel bei den Nürnberg-Bildern, die tatsächlich beim Spazierengehen entstanden sind, aus beiläufigen Fotografien. Aber was ist schon wirklich beiläufig?

Bei den Nürnberg-Bildern beginne ich mit genauen Vorzeichnungen, übertrage das Motiv gewissermaßen auf Papier – mittlerweile auch auf Leinwand –, und dann geht es los. Die Vorzeichnung wird zum zeichnerischen Gerüst, sodass sich die Farbe erst ein Kraftregiment erschaffen muss, um in das Bild einzudringen. Zeichnung und Malerei, Strich und Linie, lernen sich auf dem Bildträger kennen.

Ich versuche weitestgehend, meinen Kopf herauszuhalten – das ist schwierig und gelingt nicht immer, denn das Bewusstsein ist gnadenlos. Man muss demütig versuchen, ihm keinen Einlass zu gewähren. Wenn es gelingt, entsteht aus dem Zusammenspiel von Malerei und Zeichnung ein Bild, das sein eigenes Geschehen übernimmt – und ich folge nur noch seinen Anweisungen.

Irgendwann heißt es: aufhören! Nicht mehr weitermachen! Stopp, fertig! Das kann tagelang dauern, manchmal geht es auch schnell. Ich gehorche, weil ich genau das erreichen will: dass das Bild sich selbst bestimmt und selbst findet.

Es wird zu einem eigenen Faktor, vielleicht sogar zu einer Art Wesen, das Gestalt annimmt – so wie die Wesen, die plötzlich aus dem Nichts in diesen Stadtbildern entstehen können. Manchmal entdecke ich Flächen, die sich zu etwas Wesenhaftem formen, manchmal nicht. Man muss Sensoren entwickeln, um nicht zu verpassen, wann und wo etwas passiert. Das ist pure Spannung – ein Prozess, der sich im fertigen Bild ablesen lässt.

Als Betrachter kann man diesen Prozess zurückverfolgen, wie einen Film rückwärts. Die Ebenen und Schichten lassen sich entdecken, und vielleicht entschlüsselt man dabei, was die eigentliche Qualität des Bildes ausmacht: das Bildnerische. Das Bildnerische ist das, was ich tue, und das, was die Betrachter sehen und entdecken. Sie öffnen sich und versuchen, dem Bild gerecht zu werden. Das ist der Prozess des Kennenlernens: sich nach und nach öffnen, denn je mehr ich mich im Bild öffne, desto mehr sehe ich und tauche hinein. So entdecken wir Dinge, die wir vorher nicht gesehen, gespürt oder erreicht haben.

Wenn ich selbst Bilder betrachte, muss ich mich in jedes einzelne hineinarbeiten und ihm so die Chance geben, sich zu zeigen. Vom Ende her betrachten, wie der Anfang war – und dann versuchen, den bildnerischen Grund zu erreichen: im Bilde sein, hineingehen und wieder herausgehen.

Im Theater schaut man sich ein Stück an, es wird einem präsentiert – man lehnt sich zurück in einen schönen, barocken, samtbezogenen Sessel und schaut zu. Im Film ist es ähnlich, nur konzentrierter und konstruierter als auf der Theaterbühne, die real und authentisch ist. Ein Bild, ein Gemälde, eine Zeichnung dagegen muss erst geöffnet werden. Das macht gute Kunst und gute Betrachter aus: das Öffnen und Öffnen-Lassen.

Ich erlebe das selbst in meinen eigenen Bildern. Ich liebe diesen Prozess und versuche, ihn so weit zu treiben, dass ich irgendwann nicht mehr ich selbst bin. Der Christian mischt dann nicht mehr mit, fühlt nicht mehr mit – da ist nur noch die Hand, die etwas tut, und ich schaue ihr zu. Das ist das Ideal: der Hand beim Zeichnen und Malen zuzuschauen, der Bildentstehung zuzusehen, als würde das Bild zu einer Art Partner – eine Pinocchio-Figur, die plötzlich lebendig wird.

Ja, so ist das mit dem Bild, wenn es gelingt, wenn es funktioniert, wenn es einfach da ist. Mit gut oder schlecht hat das dann nichts mehr zu tun. Es ist eher so: Wenn das Bild da ist, dann ist es im besten Sinne eigenartig – da lebt etwas.

 

Flyer

Plakat

Christian Vittinghoff

1965 geboren in Würzburg | Studium an der Academie des Beaux Arts, Brüssel (B) Malerei (Symkowitz) | Studium an der Akademie Voor Schone Kunsten, Antwerpen (B) Malerei (Fred Bervoets) |
Bühnenbildassistenz, Bühnenbildner am Staatstheater Nürnberg
seit 2000 Freischaffender Bühnen- und Kostümbildner
2006-2010 Leitung der Ausstattung, Ausstellungen und Abteilung Bildende Kunst am Kulturcentrum Skåne, Lund (S)
2011 Gründung und Leitung des Outsider Ateliers
IDYLLEREIKUNSTRAUM für Künstler und Künstlerinnen mit Beeinträchtigungen in der WerkStadt der Lebenshilfe Nürnberg
freischaffend tätig als Bildender Künstler, Kurator, Bühnenbildner, Festivalleiter (IDYLLEREI)

Ausstellungen

Kulturscheune Nürnberg „Neue Werke und Nürnbergserie“ | KV Weissennohe | „Ansichten einer bescholtenen Stadt “ CCFA Nizza (F) solo | Festival IDYLLEREI, Nürnberg Leitung | Schloss Almoshof
KV Erlangen solo | KV Kohlenhof solo | Galerie Deggendorf | Loft im Gostner solo | Galerie RFZK Nürnberg solo | Borgo Ensemble, Nürnberg | Global Art Festival, Nürnberg – Kuration der Ausstellung | KASKA Antwerpen, „Duikboot“ | Kulturfabrik Apolda | Galerie Art und Eigensinn, Bern (CH) solo | BZ, Nürnberg Festival Nordische Tage solo | Kunstmuseum, Erlangen | Schloss Adlitz, Erlangen

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Ausstellungen
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  • Sa: 10 - 13 Uhr
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    91126 Schwabach

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Öffnungszeiten
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