Weihnachtsbotschaft des Künstlerbund Schwabach

Die Welt ist lauter geworden zu sein, die Urteile schneller, die Gewissheiten brüchiger. Das Schrille drängt sich in den Vordergrund, verlangt nach Aufmerksamkeit, und die Debatten verlaufen oft scharf, unversöhnlich, fast wie ein Wettkampf. Worte wie „Spaltung“ und „Kulturkampf“ prägen den Diskurs, als ginge es um Siege und Niederlagen – und nicht um unser Zusammenleben.

Doch die Kunst bleibt einer der wenigen Orte, an denen die Kraft der Zivilisation spürbar ist. Sie ist kein Rückzug vor der Realität, sondern ein Resonanzraum. Hier darf gezögert werden, hier wird nicht sofort geurteilt. Kunst zwingt uns nicht zur Eindeutigkeit, sondern zur Aufmerksamkeit. Sie lädt zur Selbstprüfung ein, lehrt uns, mit Unsicherheiten zu leben, ohne sie zu verhärten, und mit Differenzen, ohne sie zu verabsolutieren.

In diesem Sinn ist Kunst widerständig – widerständig gegen Vereinfachung, gegen die Verhärtung der Positionen. Sie ist eine Schule der Gelassenheit im Umgang mit Unterschieden, eine Übung darin, Differenzen auszuhalten, ohne sie zu Waffen zu machen. Das ist unser stiller, aber unüberhörbarer Widerspruch gegen den Zeitgeist der Härte.

Kunst ist kein Luxus. Sie ist das Gedächtnis unserer Menschlichkeit und eine der letzten gemeinsamen Übungsflächen für Widerspruch ohne Feindschaft. Sie erinnert uns daran, dass das Gemeinsame größer bleibt als das Trennende.

Bevor wir uns in die Feiertage begeben, ist es ein tiefes Bedürfnis, Dank zu sagen. Unser erfolgreiches Jahr 2025 war getragen vom Engagement, der Neugier und der Hingabe aller Mitglieder, Besucher und Kunstfreunde. Sie alle haben unseren Verein lebendig gehalten und dieses Jahr zu einem Erfolg gemacht.

Wir wünschen Ihnen – und allen, die Ihnen nahestehen – besinnliche und frohe Feiertage. Mögen Sie Momente des inneren Glücks erleben, die nicht von äußeren Dingen abhängen.

Für das Jahr 2026 wünschen wir uns allen den Mut zur Differenzierung und die ruhige Zuversicht, dass das Verbindende nicht verschwunden ist, auch wenn es leiser geworden scheint. Möge dieser Glaube daran, dass das Gemeinsame größer bleibt als das Trennende, uns durch das neue Jahr tragen.

Frohe Weihnachten und ein zuversichtliches neues Jahr!