Anlässlich der Finissage der neuen Mitglieder 2026 des Künstlerbundes Schwabach findet in der Städtische Galerie Schwabach am 1. November 2026 um 14:00 Uhr eine besondere Lesung statt: Dr. Hans Hesselmann präsentiert seine 2021 erschienene Fluchtgeschichte des Münchner Juden Herman Raab.
Dr. Hans Hesselmann, Gründer und ehemaliger Leiter des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg, ehemaliger Präsident der Europäischen Städte-Koalition gegen Rassismus und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, ist der Ehemann der ausstellenden Keramikkünstlerin Evelyn Hesselmann.
Im Mittelpunkt der Lesung steht das Schicksal von Herman Raab. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 setzt in Deutschland die systematische Verfolgung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung ein. Raab, Inhaber eines Münchner Bekleidungsgeschäfts, glaubt zunächst an eine vorübergehende Phase. Doch als die Nazi-Verfolgung mörderischer wird und sich Anschläge auf seine Person sowie seinen Laden häufen, erkennt er, dass er Deutschland verlassen muss, um sein Leben zu retten.
Nach einem bewegenden Abschied von seiner Mutter und seinen Freunden flieht Raab 1937 nach England. Im Londoner Stadtteil Golders Green baut er sich ein ermutigendes neues Leben auf – bis zum 2. Juli 1940.
Hermann Raab hat es tatsächlich gegeben. Hans Hesselmann zeichnet in seinem Buch den Lebensweg von Hermann Raab wie er verlaufen sein mag. Die spärlichen Informationen über seine Herkunft und sein Leben verwebt er zu einer ganz eigenen Geschichte.
Lesungsinhalt „Im Morgengrauen“
Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 beginnt die systematische Verfolgung und Entrechtung der Juden in Deutschland durch die Nationalsozialisten. Herman Raab bekommt dies als Inhaber eines Münchner Bekleidungsgeschäfts rasch zu spüren. Doch wie so viele seiner jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger glaubt er zunächst, dass es sich dabei um eine vorübergehende Erscheinung handelt. Nachdem die Verfolgung der Juden durch die Nazis jedoch immer mörderischer wird und sich die Anschläge auf seine Person und seinen Laden mehren, erkennt er, dass er Nazi-Deutschland verlassen muss, wenn er sein Leben retten will. Nach einem bewegenden Abschied von seiner Mutter und seinen Freunden flieht er 1937 nach England. Es ist eine Flucht, die zu einem ermutigenden neuen Leben im Londoner Stadtteil Golders Green führt. Bis zum 2. Juli 1940 …
VITA
Dr. Hans Hesselmann wurde 1943 in Kempten geboren.Er studierte er Anglistik, Geschichte und Rechtswissenschaften an der Universität München. Anschließend arbeitete er als Lehrer an verschiedenen Schulen in Bayern, zuletzt in Nürnberg. 1984 promovierte er in Neuerer Geschichte an der Universität Bamberg (Note: magna cum laude). Im Jahre 1994 wurde er vom damaligen Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Peter Schönlein aus dem
Schuldienst geholt und ins Bürgermeisteramt der Stadt berufen, um an der Planung und Organisation der Veranstaltungen zum Gedenkjahr 1995 (50 Jahre Kriegsende, 50 Jahre Beginn der Kriegsverbrecherprozesse, 60 Jahre Nürnberger Rassegesetze) und der ersten Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises mitzuwirken. Ab 1996 baute er das Menschenrechtsbüro der Stadt auf, als dessen Leiter er auch bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1. Januar 2010 amtierte. Das Büro hat den Auftrag, die städtische Menschenrechtsarbeit auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene zu planen, zu organisieren und zu koordinieren. Gemeinsam mit der UNESCO (Paris) gründete er im Dezember 2004 in Nürnberg die „Europäische Städte-Koalition gegen Rassismus“ und war von November 2004 bis November 2011 Präsident dieses kommunalen Netzwerkes, das sich die Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung auf lokaler Ebene in Europa zur Aufgabe gemacht hat. Im Jahre 2007 war er auch Mitgründer der „Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg“, eines Bündnisses von Städten, Gemeinden und bürgerschaftlichen Initiativen mit dem Ziel, jeder Form von Rechtsextremismus in der Region wirksam entgegenzutreten. Am 10. Dezember 2009 wurde er mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Graz (Österreich) ausgezeichnet. Am 5. Juli 2012 verlieh ihm der Bundespräsident das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Mit dieser Auszeichnung wurden „seine herausragenden Verdienste durch die Verbreitung des Menschenrechtsgedankens“ gewürdigt. Dr. Hans Hesselmann ist verheiratet und hat zwei Kinder und zwei Enkel. Er lebt mit seiner Frau in Schwarzenbruck bei Nürnberg.
PUBLIKATIONEN
Hans Hesselmann: Das Wirtschaftsbürgertum in Bayern 1890 bis 1914, Beiträge zur Wirtschafts- und Sozial-
geschichte, Franz-Steiner-Verlag, Stuttgart, 1985 (Dissertation).
Hans Hesselmann: Beten und Rechnen. Der Protestantische Unternehmer, in: Am Anfang war das Wort.
Nürnberg und der Protestantismus, W. Tümmels Buchdruckerei und Verlag, Nürnberg, 1996
Hans Hesselmann: Herbststraße. Eine Familiengeschichte, Rosenheimer Verlagshaus GmbH & Co. KG, Ro-
senheim, 2018 (Roman)
Zahlreiche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zu historischen und menschenrechtlichen Themen