Im Kelleratelier des Nürnberger Grafikers Georg Baier in Sankt Jobst stapeln sich bis zu 30.000 Papierarbeiten – das Ergebnis von fast drei Jahrzehnten konsequenter Arbeit. Was sich dort angesammelt hat, ist kein belangloses Dekor, sondern ein präzises Instrument der Beobachtung: Mit scharf geschliffenem Blick seziert Baier die Verhaltensmuster der Erwachsenenwelt.
Die Übertreibung ist bei ihm kein bloßer Effekt und kein naiver Spott, sondern ein tiefenscharfes Erkenntnismittel. Erst in den grotesken Proportionen, den überdehnten Gesten und schiefen Grimassen tritt hervor, was hinter den Dingen liegt. Seine Figuren sind verstrickt in soziale Rollenbilder, gefangen im Alltagsgetriebe, in Hypothekenverträgen und den stummen Zwängen einer durchverkabelten Gesellschaft.
Zeichnerische Präzision trifft auf malerische Akzente, auf feine Ironie und skurrile Alltagsbeobachtungen. Dazwischen leuchtet fränkisches Lokalkolorit auf: Wendungen wie „Horch amol“, „Schau fei“ oder „Wir machen a Gwerch“ übersetzt er in treffsichere Charakterstudien. Dass diese Ästhetik weit über das Regionale hinausreicht, bewies die Ankaufskommission des Bayerischen Staates, die Werke von ihm für die Staatsgemäldesammlung erwarb.
Unter dem Titel „Halten Sie durch“ zeigt der Nürnberger Grafiker jetzt in der Städtischen Galerie Schwabach eine eindrucksvolle Werkschau. Seine karikaturhaften Zeichnungen, Grafiken und Collagen richten sich auf das Alltagsgetriebe unserer Gegenwart – scharf geschliffen und doch stets menschenliebend.
Baiers Figuren sind weder strahlende Helden noch bloße Opfer, sondern stecken mitten im Leben: in gesellschaftlichen Erwartungen, beruflichen Rollen, finanziellen Verpflichtungen und den Fallstricken der modernen Kommunikationsgesellschaft. Die bewusste Übertreibung entlarvt dabei die kleinen Machtspiele und stillen Abhängigkeiten unseres Miteinanders – vorgetragen mit typisch fränkischem Humor und bildnerischem Schalk.
So zwingt uns Georg Baier zum genauen Hinsehen: Er zeigt eine Welt, in der die Übertreibung den Weg zur Wahrheit weist und in deren deformierten Gestalten wir uns schmunzelnd selbst wiedererkennen.
Neben den Zeichnungen stehen zwei besondere Glanzlichter im Programm. Zur Vernissage wird der gemeinsam mit Ingo Cesaro gestaltete Kalender 2027 vorgestellt; zur Finissage am 13. Dezember folgen ein Künstlergespräch sowie Live-Drucke von Plakatgedichten auf der Handnudel, ebenfalls mit Ingo Cesaro.
Ausstellungen
Jahresprogramm 2026
3D-Rundgang der Mitgliederausstellung 2022
Video zur Mitgliederausstellung 2025 (YouTube)
Stadtkirche Schwabach
Öffnungszeiten
täglich von 9 - 18 Uhr
Stadtmuseum Schwabach
Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag 10 - 18 Uhr